Test: Lilliput 5D II O/P Field Monitor

[English review here]

Mit dem Lilliput 5D II O/P Field Monitor kommt gerade ein Produkt in die Läden, dass die Gemeinde der DSLR-Filmer zum Kampfpreis mit einem Peaking-fähigen Monitor von 18 Zentimetern Bildschirmdiagonale ausstatten will. Das Besondere: Der 5D-Modus sowie weitere professionelle Features. Im Test gebe ich euch einen Überblick über diese Features sowie Eindrücke der wichtigsten Funktionen.

Mein Exemplar des Lilliput 5D II O/P Field Monitor habe ich bei dem deutschen Reseller Equiprent gekauft. Dort wird er Vorbestellern für 368 Euro angeboten, wenn er nicht lagert. Sofern Equiprent den Monitor auf Lager hat, kostet er 380 Euro. Es handelt sich um die Firmware Version 1.7, die im Menü überprüft werden kann. Besonders frühe Angebote im Internet hatten noch einige Bugs in den Firmware-Versionen 1.5 oder 1.6., wie im Cinema5D-Forum zu lesen war.

Der Lieferumfang

- Sonnenblende
- kurzes HDMI Kabel mit Typ A auf Typ C Stecker
- Kugelkopf aus Metall zur Montage im Blitzschuh
- Akkuadapter für Sony NP-F Akkus (Canon LP-E6 oder LP-E8 optional)
- Netzteil für Betrieb von der Steckdose
- Bedienungsanleitung in englischer Sprache

Der Akkuadapter ermöglicht es, die Sony NP-F Akkus, die im Shop im 2er-Set samt Ladegerät für knapp 63 Euro zu haben sind, mit dem Lilliput 5D II O/P Monitor zu benutzen. Adapter für Canon-Akkus gibt es ebenfalls. Laut Equiprent halten die Canon LP-E8-Akkus meiner Canon 550D/T2i allerdings nur etwa 50 Minuten. Die Sony NP-F730 Akkus sollen auf satte vier Stunden pro Akku und Ladung kommen. Testen konnte ich die Ausdauer der Akkus aus Zeitgründen noch nicht. Der Akkuadapter und die Akkus lassen sich leicht wechseln und rasten ohne großes Drücken und Würgen ein.

Die Sonnenblende lässt sich einfach installieren und wieder abnehmen und tut, was sie tun soll: Sie ist ausreichend tief, um auch bei Tageslicht einen guten Blick auf das Bild zu ermöglichen. Nicht ganz so einfach ist es anfangs, die Klappe zu öffnen. Sie leistet etwas wiederstand, zumal man in der Regel ja nur eine Hand frei hat, um sie zu lösen. Dann klappen die Seitenteile aber von selbst auf und rasten in ihrer Position ein. Das kommt dem Nutzer vor allem dann entgegen, wenn ein Shoulder-Rig statt eines Statives genutzt wird.

Der Kugelkopf aus Metall macht einen stabilen Eindruck. Dennoch möchte ich ihn nicht auf dem Blitzschuh meiner Canon 550D/T2i benutzen – weil ich den Blitzschuh nicht auf Dauer einem solchen Gewicht aussetzen will, und weil mein Gini-Rig ohnehin einen Monitorarm bereithält.

Die Features

Das “O” des Lilliput 5D II O/P Monitors weißt auf den HDMI-Out hin, der es ermöglicht, das Signal an ein weiteres HDMI-fähiges Gerät weiterzuleiten. Etwa an einen zweiten Monitor (für den Focus-Puller zum Beispiel), oder an ein Aufnahmegerät. Da aber nicht einmal die neue Canon 5D Mark III einen clean HDMI-out aufweisen kann, kommen die Overlays des Displays stets mit, eine Aufnahme des Signals ist daher wenig sinnvoll.

Das “5D II” des Monitors steht für dessen Betriebsmodus, der auf das Signal der Canon 5D Mark II ausgelegt ist. Der Modus schaltet den Monitor auf 480p Auflösung, wie sie die 5D im Aufnahmemodus über das HDMI-Kabel ausgibt. Dadurch entsteht keine Unterbrechung der Darstellung, sobald auf Aufnahme gedrückt wird, wie es bei anderen Monitoren der Fall ist. Start und Stop haben keine sichtbaren Auswirkungen auf das Bild, das Motiv kann also durchgehend im Blick behalten werden.

Das “P” des Monitors deutet auf die Peaking-Funktion hin. Diese dürfte für die meisten, die sich für den Lilliput 5D II O/P Field Monitor interessieren, die interessanteste Funktion sein. Der Monitor scheint dabei nach hellen, harten Kanten zu suchen und diese rot zu rendern. Dabei kann der Nutzer entscheiden, ob er die roten Markierungen in einem monochromen oder einem Farbbild angezeigt bekommen möchte. Wobei die roten Fokusmarkierungen im schwarz-weiß Bild deutlich einfacher zu erkennen sind. Ein Nachteil der Technik: In Situationen mit wenig Licht oder bei kleiner Blende tauchen nur wenige Markierungen auf. Ist das Motiv etwa sehr dunkel, wie etwa ein Mensch mit schwarzer Kleidung, findet der Monitor keine harten Kanten und zeigt entsprechend keine Markierungen an, selbst wenn der Fokus knackig auf der Kleidung des Protagonisten sitzt.

Mouseover für Fokusverschiebung von vorn nach hinten:

Der 5D-Modus ist allerdings ein Nachteil für den Peaking-Modus. Da der Bildschirm des Lilliput 5D II O/P Field Monitor nach harten kanten im eigenen Bild sucht und nicht das HDMI-Signal vorher abgreift, muss die Peaking-Funktion mit der auf 480p reduzierten Auflösung zurechtkommen. Im Test-Video ist deutlich zu sehen, dass das Peaking bei voller Bildschirmauflösung, ohne 5D-Modus, deutlich besser funktioniert. Sehr Schade!

Mouseover = 5D Modus, deutlich weniger Fokusmarkierungen zu sehen.

 

Ein weiterer Modus, der das eigene Bild des Monitors abgreift, ist der False-Color Modus des Lilliput 5D II O/P Field Monitor . Wie auf den Bildern sichtbar, wird das monitoreigene Menü ebenfalls durch die False Colors erfasst. Ansonsten tut dieser Modus scheinbar gute Dienste, ich konnte ihn allerdings noch nicht ausführlich im Einsatz testen.
Eine weitere Funktion des Lilliput 5D II O/P Field Monitors ist der Zebra-Modus. In diesem werden überbelichtete (clippende) Bereiche des Videos mit schwarzen “Zebra-Streifen” überzeichnet, um eine korrekte Belichtung zu vereinfachen. Die Display-Overlays aus dem HDMI-Signal der Canon 550D/T2i sowie das Menü des Monitors werden, wie auch bei den vorher genannten Features, ebenfalls mit Zebras überblendet, weil der Monitor der weiße Schrift als Clipping identifiziert. Der Monitor reagiert jedoch schnell auf überbelichtete Flächen und gibt die Zebras sehr präzise aus, ein klares Plus für diese Funktion.

Eine Reihe Bilder aus dem False Color Modus, von unterbelichtet bis überbelichtet, am Ende der False Color Modus mit dem bildschirmeigenen Menü des Lilliput 5D II O/P Field Monitor:
False Color
False Color
False Color
False Color
False Color
False Color

Das Histogramm des Monitors greift, wie nun zu erwarten war, ebenfalls auf das Bild, wie es im Monitor dargestellt wird, zurück. Das Histrogramm berücksichtigt also auch Display-Overlays und Anzeigen wie Blende und ISO, daher das Histogramm nicht mit dem Kamera-eigenen (bzw. von Magic Lantern ausgegebenen) Histogramm identisch.

Zudem verfügt der Lilliput 5D II O/P Field Monitor noch über folgende Features:

- einen 2-fachen und einen 8-fachen Zoom
- verschiedene Screenmarker, die einen Bereich bis zu 80 Prozent der Bildfläche markieren, wobei 80 Prozent den Crops des Cinemascope-Formats am nächsten kommt
- Ein mittig positioniertes Fadenkreuz
- Die Darstellungsvarianten schwarz-weiß, nur rot, nur grün und nur blau
- umschaltbare Seitenverhältnisse von 16:9 über 4:3 bis Full Screen
- das Bild kann vertikal um 180 Grad gedreht werden und ermöglicht so einen Überkopf-Betrieb des Monitors
- das Kontrastverhältnis ist 800:1
- die Bilddiagonale entspricht 7 Zoll, also 18 Zentimetern

Fazit

Bislang kann ich sagen, dass es sich beim Lilliput 5D II O/P Field Monitor um eine lohnende Investition handelt. Zum einen, weil einem ein Monitor die Arbeit mit einem Kran oder einem Dolly überhaupt erst ermöglicht. Dies funktioniert auch dank des hervorrangenden Einblickwinkels sehr gut, das Bild bleibt auch aus sehr steilen Blickwinkeln noch gut zu erkennen, sowohl horizontal als auch vertikal.

Zum anderen, weil die Peaking- und False-Color-Funktionen die Arbeit erleichtern können. Unter den gegebenen Einschränkungen, so greift das Focus-Peaking im 5D-Modus leider schlechter als bei voller Auflösung, zudem sind dunkle Motive oder Frames mit wenig Licht ein Hinderniss für die Funktion. Die Verarbeitung des Monitors macht einen guten Eindruck, mit der Sonnenblende sollte man behutsam umgehen. Zwar konnte ich die Akkus noch nicht vollständig ausreizen, dennoch halten sie bereits mit der Fabrik-Ladung schon ordentlich lange. Ein deutlicher Minuspunkt ist hingegen, dass es scheinbar keine Akku-Anzeige gibt und der Monitor entsprechend droht, mitten im Shot abzuschalten.

Das Testvideo alternativ auf Vimeo

 

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